Freitag, 16. August 2019

Das Reich der Sieben Höfe: Feen zum 1.


Titel: Das Reich der Sieben Höfe - Dornen und Rosen
Autor: Sarah J. Maas
Reihe: Das Reich der Sieben Höfe (Band 1 von 4, abgeschlossen)
Seiten: 480
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Reiseroute: Feyre ist eine Jägerin. Sie muss es sein, denn ihr Vater ist nicht im Stande sich um seine drei Töchter zu kümmern. Es bleibt ihr nur eine Wahl, selbst das Essen auf den Tisch zu bringen, oder zu verhungern. Als sie eines kalten Wintertages einen Wolf im Wald schießt, ist ihr nicht klar, welche Folgen dieser eine Schuß für sie und eine ganze Nation haben wird. Ein Tod, ein Opfer und die Antwort ist Liebe.

Eigentlich wollte ich keine neue Reihe mehr anfangen, bis ich alle anderen Reihen beendet habe, aber das Buch hat sich einfach zufällig ergeben und JA ich bin spät dran damit. 😅
Ich habe Sarah J. Maas immer absichtlich vermieden weil ich dachte, dass ich noch so eine Romantasy-YA-Feengeschichte nicht ertragen kann. Aber Hallelujah lag ich daneben!

Die Geschichte startet unglaublich stark und die Autorin baut eine fantastische Athmosphäre auf. Alle Hauptcharaktere bzw wichtige Nebenchfiguren bekommen ausreichend Hand und Fuß.
Als Tamlin schliesslich kommt um Feyre in sein Reich zu holen, hat man als Leser noch keine Ahnung welche Richtung die Geschichte einschlagen wird. Wer das Märchen von Tamlin (eine schottische Legende) schon einmal gehört hat, der hat eine grobe Vorstellung um was es geht. Auch wenn sich die Legende nur knapp im Hintergund andeutet. Die Beziehungen der Figuren untereinander entwickelt sich langsam und glaubhaft. Wobei die Liebesbeziehung zwischen Tamlin und Feyre deutlich im Vordergrund steht. Natürlich werden auch hier die Klischees von den unglaublich perfekten Feen und ihrer fantastischen Welt bedient und ich hätte es ehrlich gesagt nicht anders haben wollen.
Lucien ist durch das gesamte Buch hinweg einer meiner Lieblingscharktere. Er erscheint weniger perfekt als andere Feen wenn es um innere Werte geht, was ihn sehr symphatisch und nachvollziehbar macht. Tamlin als Beschützer erfüllt sein Klischee und bedient ein altes archaisches Prinzip, das mit Feyre's Charakter gut harmonisiert. Er ist generell sehr rücksichtsvoll und auch wenn sich manch eine feministische Stimme über die Nacht des Rituals aufregt, so ist dies ein Teil des archaischen Prinzips. Das sakrale Königtum, die Erneuerung der Macht stammt noch aus der Frühgeschichte der Menschheit und passt sehr gut in diese Geschichte.

Feyre: sie ist eine Figur mit der man sich gut identifizieren kann. Sie macht eine stete Entwicklung durch. Man sieht sie wachsen und heilen, sie lernt ihre Vorurteile zu überwinden und dann geht sie zu Amarantha unter den Berg um Tamlin zu befreien. Ab diesem Moment wird alles zu Mist!
Sorry, aber von einer starken jungen Frau, die für ihre Liebe kämpft, wird sie zu einem wimmerenden Paket das seinen Kampfeswille verliert und nur noch ein Spielball der Feen ist. Ich verstehe es nicht! Hat sie ihr eigentliches "Ich" am Eingang zur Höhle abgegeben? Wieso hat sie nicht einmal nachgeharkt, wieso hat sie nicht versucht mehr aktiv zu tun? Das einzige mal wo sie noch sie selbst ist, ist beim 1. Test. Ansonsten serviert uns die Autorin einen Haufen selbstmitleidiger Gedanken, die absolut nichts zum Plot beitragen und niemandem helfen!
Amarantha ist eine böse Hexe und hier passt der Begriff in allen Facetten. Sie stellt Feyre ein Rätsel das alles sofort beendet, wenn sie die Lösung weiß. Die Antwort war für mich offensichtlich, aber okay, Feyre ist unter enormen Stress und kommt nicht darauf. Aber bitte?! Als sie sich im Todeskampf befindet und fast stirbt, DA fällt ihr plötzlich die Lösung ein?! Sie leidet Qualen, aber hat Zeit über das Rätsel nachzudenken?! WTF!
Unglaubwürdiger geht es wohl nicht mehr! Auch beim letzten Test habe ich mein Buch angeschriehen: Nimm einen Dolch und ramm ihn Amarantha irgendwohin! Jetzt tu endlich etwas!. Es hat null zu Feyre's Charakter gepasst und es hat keine Entwicklung mehr stattgefunden.
Rhysand: von Anfang an war klar das er ein doppeltes Spiel treibt. Er wurde clever eingeführt, weit am Anfang, dennoch barg seine Figur keine Überraschung. Das hat sich aus dem Kontext ergeben. Rhysand würde alles tun um seine Leute zu beschützen, weder vor Gewalt zurückschrecken, noch vor Mord. Die Szene im Kerker, als er Feyre dazu bringen will einen Deal mit ihm abzuschließen, ist unnötig gewaltvoll. Sie zeigt die Abgründe seiner Seele und ja das ist in Ordnung, aber seine Aktionen rechtfertigt es dennoch nicht.

Es gab eine kleine Überraschung am Ende, die für mich persönlich wenig überraschend rüberkam, ansonsten war das Ende angemessen und die Bösen bekommen was sie verdienen, was mich ungeneim beruhigt hat. 😄 Auch wenn einige kleine Fragen offen geblieben sind, hätte nach diesem Ende kein weiteres Buch mehr folgen müssen.
Ich bin zwiegespalten. Auf der einen Seite finde ich die Geschichte großartig, auf der anderen Seite finde ich die gesamte 2. Hälfte des Buches mittelmäßig und unmotiviert. Sarah J. Maas kann fantastisch schreiben und die ganze 1. Hälfte ist wundervoll, aber danach rutscht die Geschichte ab. Generell bin ich auch positiv überrascht was die Art der Geschichte angeht, hatte ich so nicht erwartet. Es wird unter Jugendbuch/YA gehandelt, ist aber eher Adultfantasy aufgrund der Gewalt und sexuellen Inhalte.
Zum Cover: das dt. Cover ist sehr aufwendig gestaltet, aber ich finde das englische trifft die Essenz des Buch deutlich besser.
Das macht eine Bewertung schwer und ich gebe 3 Reisekoffer, wegen der schwächeren 2. Hälfte.


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