Samstag, 16. Juli 2016

Lachhaft sind die Ansprüche in der Privatwirtschaft

Warum  macht Deutschland immer alles so unglaublich kompliziert?

In manch einem anderen Land ist es simpler: du bekommst Bafög unabhängig vom Alter. Denn es ist ja sinnvoll das sich die Leute im eigenen Land weiterbilden können. So generiert man Fachkräfte.
Nicht so in Deutschland. Hier ist 30 die magische Grenze für Weiterbildung. Denn jetzt bekommt man absolut nichts mehr. Man hatte ja genug Zeit sich das alles zusammenzusparen, um sich selbst zu finanzieren. Äh.... nein.
Dumm nur das die Wirtschaft Arbeitnehmer fordert die Abitur, X Jahre Beruserfahrung und ein abgeschlossenes Studium mit Master haben. Ah, ja -logisch! Kann man ja in den ersten 25 Jahren seines Lebens alles schaffen. 25 Jahre ist nämlich auch schon so eine magische Grenze. Die Vorbereitung auf die 30 sozusagen.

Aber gehen wir doch einmal ganz chronologisch vor:

Abitur mit 18/19 je nach Bundesland
(da darf man auch nicht einmal sitzen bleiben, also aufgepasst!)

ab ins Studium (gut das jeder sofort nach dem Abi weiss was er beruflich machen will und NIE davon abweicht. Sorry Leute, Auslandsjahre gelten in der deutschen Wirtschaft einen Scheißdreck, also macht Euch nicht die Mühe!)

Studiumsabschluss mit Masterdegree 22/23 Jahre
(das muss auf Anhieb alles klappen, also haltet Euch ran!)

Praktikum 23/24 Jahre - 2 x ein halbes Jahr, weil ohne geht nichts bei Arbeitgebern, man soll ja schließlich Arbeitsluft geschnuppert haben

jetzt schnell bewerben - Tsching! Klappt natürlich beim 1. Versuch, wir haben es voll drauf! (Arbeitssuchend werden wir niemals, schließlich sind Fachkräfte ja sooo gefragt)

 mit 24/25 fangen wir an zu arbeiten 40h Woche und ein unbefristeter Arbeitsvertrag (wie haben wir nur so eine Stelle bekommen, ohne Arbeitserfahrung?! Verrückt. Praktikum zählt übrigens nicht als Arbeitserfahrung.)

Vorspulen gefälligst denn 5 Jahre Arbeitserfahung darunter läuft nichts für die richtig guten Jobs (das wäre dann jeder Job für den man eine Ausbildung/Studium braucht auf dem freien Arbeitsmarkt)

wir sind 28/29 und Bewerbungsprofis deshalb - Tsching! Neuer Job, bessere Position, mit unserem Referenzen kein Problem.

mitten im Leben - 30 Jahre Moment, haben wir keine Familie? Kinder? Na ja braucht keiner. Der Planet ist ohnehin übervölkert.

Bei wieviel Prozent der Menschen läuft ein Leben genauso ab? Vielleicht 2%, 3% oder 4%?
Mal ehrlich, kaum jemand ohne besondere Umstände, bekommt gleich sofort nach dem 0/8/15 Studium einen Job. Die wenigsten wissen heute noch nach der Schule was sie eigentlich werden wollen. Viele entscheiden sich nach der ersten Ausbildung auch noch einmal für einen neuen Job. Manche bekommen Kinder, manche machen Auslandsjahre, manche bekommen nur Absagen auf Bewerbungen. Bei diesem Wunschtraum Arbeitnehmer, darf nichts dazwischen kommen. Keine privaten Zwischenfällem, keine Kündigung, alles muss sofort immer passen.
Sehr wahrscheinlich.
Was ist eigentlich mit all denen die eine stink normale Ausbildung machen? Hm? Das sind auch Fachkräfte, wieso stellt die niemand ein - ach ja stimmt, wie dumm von mir - die haben ja keine Berufserfahrung oder einen Studienabschluss. Nur gut das unser Musterstudent hier unglaublich viel Berufserfahrung hat, wenn er sich auf seinen 1. Job bewirbt.
Wozu, frage ich mich, WOZU werden denn überhaupt noch Ausbildungsberufe angeboten, wenn niemand die ausgebildeten Leute haben will oder wenn, dann total übehebliche Ansprüche stellt?
Wenn man schon so viel wert auf studierte Arbeitnehmer legt, wieso ist dann das Bafög für ein 1. Studium auf 29 Jahre beschränkt? Man kann auch noch mit 30, 35 oder 40 studieren - kleiner Tipp das Leben ist ab 30 nicht zu Ende.
Vielleicht fällt dem ein und anderen ja erst nach der 2. Ausbildung auf, das ein Facharbeiter heute nichts mehr wert ist und man im Leben so nicht weiter kommt. In anderen Länder klappt es doch auch. Wieso macht der Staat es denn den lernwilligen Menschen so schwer und unmöglich sich weiterzubilden?
Was ist aus "Bildung für alle" geworden?  - Ach ja richtig, ist ja schon lange out.


Ein kleiner Denkanstoß für alle Arbeitgeber da draußen.

(Sorry für diesen nicht - Buchrelevanten Post.)

Kommentare:

  1. Bafög sehe ich ohnehin kritisch. Vielleicht auch nur, weil ich keins bekomme :D. Bei mir ist das nämlich so, dass meine Eltern zu viel verdienen, als dass ick irgendwas vom Staat bekommen würde. Blöderweise sieht aber auch nur der Staat das so, dass sie mir die vierhundert was auch immer Euro, die man mit Bafög Höchstsatz bekommen würde, zahlen können, denn das können sich meine Eltern garantiert nicht leisten. Irgendwas ist da nocj nicht optimal berechnet.
    Dass man ab einem bestimmten Alter kein Bafög mehr bekommt, finde ich auch ungerecht. Genau wie die Regelung mit dem Wechsel des Studienfachs. Wie du schon sagst, weiß nun mal nicht jeder sofort, was er machen will.
    Aber naja, Bafög ist besser als nix. In anderen Ländern gibt es gar keine Förderung.
    Und ich krieg ja eh nix und hab mich damit abgefunden.

    Also so einen Plan, wie du ihn beschreibst, habe ich wohl schon jetzt versaut :D. Immerhin habe ich den großen Fehler begangen und mich im Jahr nach meinem Abi bei einem FSJ für die Allgemeinheit engagiert :o.

    Ne im Ernst, diese paradoxe Vorstellung, immer jüngere Arbeitskräfte mit immer mehr Erfahrung einstellen zu können ist einfach absurd. Wie sagt man so schön: "Du brauchst Erfahrung, um einen Job zu kriegen, aber einen Job, um Erfahrung zu kriegen". Sehr lustig.

    Ehrlich gesagt hab ich auch gar keinen Bock mit 25 schon zu arbeiten, wenn ich stattdessen auch noch ein Auslandsjahr machen oder irgendwas anderes erleben könnte. Ich hab noch keinen konkreten Plan fürs Leben und natürlich will ich irgendwann einen sicheren Job, aber momentan ist das nicht das Ziel, das ich die ganze Zeit vor Augen habe. Und ich fänd es auch gruselig, wenn dem so wäre, mit meinen grad mal 18 Jahren.

    Das mit den Ausbildungen ist auch ein sehr großes Problem. Ich finde das Konzept von Ausbildungen, vor allem dualen, extrem gut und kenne auch genug Leute, die dafür einfach eher gemacht sind als für ein Studium. Und ich verstehe nicht, wieso bei vielen die Meinung vorzuherrschen scheint, dass Leute, die fünf Jahre lang rumgesessen und Themen theoretisch abgehandelt haben besser ausgebildet sind als Leute, die während ihrer Ausbildung schon praktisch gearbeitet haben.


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    1. Das ist mit dem Bafög eben so eine Sache. Ich höre auch immer nur wie alle Freunde von mir Probleme damit haben - also ich denke da gibt es noch viel Nachbesserungsbedarf. Und dein Spruch gefällt mir: "Du brauchst Erfahrung, um einen Job zu kriegen, aber einen Job, um Erfahrung zu kriegen".
      Gefällt mir :D
      Es liegt noch so einiges im argen und ich glaube das lernt man nicht beim Studium für Personalmanagment und HR. Ziemlich traurig eigentlich.

      Viele Grüße
      Twineety

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