Dienstag, 16. Juli 2013

Die Bestimmung voller Unstimmigkeiten

Titel: Die Bestimmung
Originaltitel: Divergent
Autor: Veronica Roth
Reihe: Die Bestimmung (Trilogie, Band 1)
Seiten: 480
Verlag: cbt

Reiseerlebnisse: Beatrice ist 16 und muss sich nun für eine Fraktion entscheiden. Doch bei ihrem Test kommt heraus, dass sie eine Unbestimmte ist und nur mit einem kleinen Trick der Testerin, kommt sie, ohne aufzufallen, weiter. Zu ihrer eigenen Überraschung entscheidet nicht nur sie sich für eine neue Fraktion, die Ferox, sondern auch ihr Bruder wechselt sein Umfeld und geht zu den Ken. Kaum im Lager der Ferox angelangt, wird für Beatrice und alle anderen Initianten ersichtlich auf was sie sich eingelassen haben. Nicht alle werden die Prüfungen bestehen. Auch für Beatrice ist es nicht einfach, doch schafft sie es sogar noch, sich in Four zu verlieben. Four, der selbst ein paar Geheimnisse hütet, die besser niemand wissen sollte.

Eines der hoch gelobten Bücher des Jahres ist für mich "not worth the Hype", um mal an einen tag anzuschließen.
Der Weltenbau: holly shit, wie schwach war der denn bitte?! Es wurde gar nichts erklärt, wie, was wann, warum es zu dieser Welt gekommen ist. Was hat es mit der Mauer auf sich? Wie leben die Menschen und warum leben sie auf diese Weise? Für was ist die Fraktionseinteilung gut? Da gab es doch etliche Lücken. Ich bin wirklich enttäuscht!
Idee und Handlung: Die Grundidee, der Fraktionseinteilung und das Auswählen ist ja schön und gut, auch ein bisschen witzig und interessant. Aber für eine Trilogie, oder überhaupt für ein Buch, etwas dünn. Die Handlung des Buches lässt sich locker in einem Satz zusammen fassen. "Tris entscheidet sich zu den Ferox zu wechseln, bewährt sich dort erfolgreich, findet die Liebe ihres Lebens und verhindert einen Staatsstreich." so ungefähr. Für was das ganze Kämpfen der Ferox überhaupt gut sein soll, wird nie auch nur einmal erklärt. Tris und Four haben beide eine gute Vorstellung von Moral. Aber sie bleiben dabei die Ausnahme. Vermutlich trifft das auf alle Unbestimmten zu, was auch der Grund ist weshalb alle korrupten und weniger moralischen Menschen, diese umbringen wollen. Auch finde ich Fours Vergangenheit wieder leicht erzwungen. Man braucht ja schließlich einen tragischen Helden, also echt!

Die Moral, (ein Thema das ich schon teilweise etwas verstörend fand):
Was bitte hat die gute Frau Roth denn für eine Vorstellung von "Mut" und ähnlichen Werten? Das ganze Feroxtraining läuft nur auf eine Sache hinaus: kämpfen.
Ich sehe da weder einen Sinn noch eine Notwendigkeit drin. Sollen Jugendliche etwa mit solchen Vorstellungen aufwachsen? Das Mut ist, super kämpfen zu können, sich Tattoos stechen zu lassen oder ohne ein Geländer am Abgrund auszukommen?
Dazu muss man doch nicht furchtlos sein! Mutig ist auch wer es schafft seinen Schwarm auf dem Schulhof anzusprechen, oder eine Performance vor einem Publikum abzuliefern. Mutig ist wer für die Rechte anderer einsteht, oder in der Schule gegen Mobbing in der Klasse aufsteht. Tapfer ist der kleine vier Jährige Junge der eine Spritze beim Arzt bekommt und nicht weint, oder wer auch mal über seinen Schatten springt. Es gibt so unendlich viele Sachen bei denen man furchtlos, tapfer und mutig und stark sein muss. Kämpfen und halsbrecherische Stands hinzulegen sind nur ein ganz kleiner Teil davon und dann kann der Grat zwischen dem einen und Tollkühnheit auch sehr gering sein.
In manchen Ansätzen wird das sogar im Buch verdeutlicht. Aber ich finde es ist einseitig und unzulänglich dargestellt. (Das regt mich gerade unglaublich auf! Außerdem habe ich gleich im ersten viertel drei inhaltliche Fehler entdeckt und das beim ersten Lesen.)

Diese ganze Einteilung der Fraktionen und dann die Zusammenführung der Fraktionen, hin zu einer Auflösung - denn das wird das Ziel sein - macht für mich nicht viel Sinn. Ich verstehe was die Autorin bezwecken will, aber ich finde das wie, nicht gelungen. Ihr Schreibstil ist in Ordnung, es lässt sich flüssig lesen. Die gute Frau hat ja auch nicht umsonst kreatives Schreiben studiert. Auch die Figuren sind in Ordnung, obwohl ich die Liebesgeschichte wie hineingepresst empfand, war sie doch auf der anderen Seite glaubhaft entwickelt. Ansonsten war der roten Faden nicht ganz so rot wie man ihn, bei so einem Hype, erwartet hätte.
Und wieder bestätigt sich: schwaches Schreiben oder dämlicher Sinn - ein wundervolles Cover zum Ausgleich hin. Kompliment dafür an Verlag, Marketing und Grafiker.

Ich bin wirklich enttäuscht von dieser Geschichte. Wenn man keine vernünftige Message rüber bringen kann, dann soll man es doch besser lassen. Dann lieber etwas mehr oder weniger Wertfreies schreiben wie z.B. Cassandra Clare das tut, nur für Spaß und Aufregung sorgen. Aber bei diesem Buch ist der Sinn, einfach, hin.

Kommentare:

  1. Oha, das wird eine interessante Diskussion, denn ich liebe dieses Buch! :D
    Erstmal: Auf Deutsch ist es furchtbar. "Initianten" klingt einfach grausig, genauso wie "Ken" als Fraktionsname -.-.

    Der Weltenbau.. Ich muss sagen, dass ist mir gar nicht aufgefallen, aber das wird im 2. alles erklärt. Wobei du natürlich Recht hast, dass man im ersten Teil nicht einfach alles als gegeben hinstellen kann. Allerdings fand ich es so spannend, dass mir das gar nicht aufgefallen ist. Ich hab es eigentlich mehr als eien Fantasywelt gesehen, wo ja auch niemand nach dem Warum fragt.

    Ich finde die Handlung schon ein klein wenig tiefgründiger. Verhindern tut sie den "Staatsstreich", den ich eher Putsch nennen würde, ja außerdem nicht.

    Was die Moral angeht, verstehe ich dein Problem auch nicht so ganz. Die dämliche Einstellung der Ferox wird ja nicht verherrlicht oder so. Abgesehen davon, dass in ihrem Manifest auch etwas anderes steht, was Tris auch anmerkt. (Und das mit Al ist ein fetter Spoiler!) Sie sind im Grunde nur das andere Extrem zu Amity, deren Moral ich auch unverständlich finde. Lieber Frieden als Gerechtigkeit? Hallo?
    Ehrlich gesagt gibt es so etwas in vielen Dystopien, aber es ist ja meist der Protagonist, der sich gegen diese Moral auflehnt.

    Das einzige, wo ich dir zustimmen kann, ist Cassandra Clare :D.
    Aber es ist immer wieder interessant zu sehen, wenn jemandem ein total beliebtes Buch nicht gefällt. Ich hatte erst kürzlich genau die gleichen Probleme wie du mit "Die Bestimmung" mit der Dystopie "Vollendet".

    LG
    Charlie

    AntwortenLöschen
  2. Hallo,
    ist natürlich schade das die Übersetzung nicht so gut mit dem Original übereinstimmt. Ich kenn das auch von anderen Büchern, manchmal ein ziemlicher Qualitätsverlust.

    Ja das stimmt mit dem Putsch. Ich war nur einfach zu faul das genauer auszuführen.

    Ich fand die Moralsache ist einfach nicht gut rübergebracht wurden. Dadurch das sich die Handlung um diese ganzen Aufnahmetests etc. bei den Ferox gedreht hat, ist die andere "richtige" moralische Einstellung dazu verloren gegangen. Und natürlich wird es darauf hinauslaufen das sie jetzt am Ende alle Fraktionen auflösen werden und nur die guten Eigenschaft aller übrig bleiben. *wilde Thesen aufstellt*

    Vermutlich habe ich auch zu hohe Erwartungen gehabt. Aber ich kann mir durchaus vorstellen das mir dass 2. Buch besser gefallen wird. Weil Tris & Four nicht mehr in diesem, für mich sinnfreien, System leben müssen und ihre eigene Logik machen können.

    Ha! Spoiler in Rezi's sind doch ein muss! Wo kommen wir denn dahin, wenn der Leser nicht ein paar Insiderinfos bekommt die ihm am Ende die Spannung vermiesen?! *muahahaha*

    Vielleicht sollte ich an dieser Stelle gestehen: Ja ich habe einen online-Test gemacht zu welcher Fraktion ich gehöre UND mir mein dazu gehöriges Horoskop angesehen. ;-) Aber es gab immerhin noch 2 Bewertungseinheiten, das sagt ja das es nicht total schlecht war.

    LG

    AntwortenLöschen
  3. Hm ich bin da leider gar nicht deiner meinung. Hast du die folgebaende schon gelesen? Es hat schon seinen sinn dass diese welt so lueckenhaft erklaert ist aber ich will hier jz nicht spoilern. Auch haengen ja alle handlunhsstraenge zusammen und deiner vagen behauptung "das ist nivht mut was da gezeigt wird" stimme ich zwar voll und ganz zu aber ich frage mich ob du das buch gelesen hast oder irgendeine scglefhte zusammenfassung gefunden hast auf der dein wissen basiert. Es ist ja genau der punkt dass das was die initianten lernen nichts mit mut zu tun hat, was aber sehr ausfiehrlich in dem buch deutlich gemacht wird. Ich zitiere aus 'dem manifest der ferox: "wir glauben fest an die tapferkeit ubd den mut der die menschen dazu bringt sich fuer andere einzusetzen" weiter sagt tris: "kann sein dass die ferox anfanhs die besten absichten hatten die richtigen ideale die richtigen ziele" (beide zitate aus die bestimmung band 1 seite 205). Es ist ja eben der punkt dass sich die fraktionen von ihren idealen weit entfermt haben , nicht nur die ferox, auch die anderem fraktionen. Ist es nicht ein wichtiger punkt dass eine gesellschaftsgruppe eben nicht nur ein eonziges ideal haben kann, sondern viele ideale zugleich um voranzukommen? Ich wuerde sagen, du ueberdenkst das nochmal, versich die geschichte zu verstehen und noch ein guter tipp: lies das buch.
    Danke fuer deine aufmerksamkeit.
    Eine initiantin der ferox.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo!
      Jetzt ist das natürlich schon eine ganze Weile her und die Rezi könnte eine Überarbeitung gebrauchen.
      Aber vorne weg: ich lese grundsätzlich alle Bücher die ich bespreche!

      Ich weiß das es viele Fans gibt, aber mich konnte es einfach nicht überzeugen und ich war nach dem Lesen ziemlich wütend über die Geschichte (und beim schreiben der Rezi). ;-)
      Ich habe in dem ganzen Training der Ferox keinen Sinn gesehen. Es wurde nie erklärt wozu das gut sein soll. Sie mussten ja nichts verteidigen (ihre Stadt beschützen oä.). Auch die Tatsache das die Familien auf diese Weise auseinander gerissen werden und die Leute sich das gefallen lassen, war mir suspekt. "Och mein Kind wechselte jetzt die Fraktion und ich sehe es nie wieder, na dann... tschüss." oder "Ach ich darf meine Eltern nie wieder sehen, weil ich die Fraktion wechsle, na dann, mach ich mich mal vom Acker." - war für mich unrealistisch.
      Ich muss dir allerdings Recht geben bei deinem Zitat. Daran sieht man das es richtig gedacht war und das System inzwischen einfach korrumpiert ist. (Was dann sicher zum Inhalt in den Folgebänden werden soll.)
      Leider waren mir die Figuren im Buch nicht sonderlich symphatisch, da war mir zu wenig Tiefgang dahinter. Die Inhaltsfehler weiß ich natürlich nicht mehr, sonst könnte ich das noch genauer erklären. Wenn ich irgendwann Zeit habe hole ich das nach und bringe diese "Chaosrezension" noch mal in Ordnung, sodass man die Kritikpunkte besser verfolgen kann.
      Ich werde Band 2 noch lesen und bin gespannt inwieweit die Welt dort erklärt wird.
      Trotzdem danke für das Kommentar. Ich freue mich immer über eine Bücherdiskussion.


      Löschen